Fachgespräch zur „Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“
Gestern gab es im Forschungsausschuss ein Fachgespräch zur „Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“. Nachdem ME/CFS und Post Covid lange ignoriert wurden, war die Ausrufung der Dekade durch das BMFTR ein lange überfälliger Schritt, auch wenn die hinterlegten Gelder immer noch nicht ausreichen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mittel auch richtig eingesetzt werden. Dabei sind folgende Punkte wichtig:
1. Beteiligung von Patient*innen
Patient*innenvertreter müssen auf allen Entscheidungsebenen eingebunden werden. Auch bei der Nationalen Dekade gegen Krebs, von der der Name der Dekade entlehnt ist, spielt Patient*innenbeteiligung eine zentrale Rolle. Und gerade bei postinfektiösen Krankheiten ist bei vielen Betroffenenorganisationen eine hohe Kompetenz versammelt. Die Bedürfnisse von Patient*innen müssen auch in der Forschung im Mittelpunkt stehen!
2. Keine Förderung von psychosomatischen Ansätzen
Gerade ME/CFS-Patient*innen leiden darunter, dass ihre Krankheit psychologisiert wird. Durch den hohen Anteil an Frauen und deren systematische Benachteiligung im Gesundheitssystem werden oft Depressionen oder ähnliches diagnostiziert, anstatt ihre körperlichen Erkrankungen zu behandeln.
Das ist ein riesiges Problem in der Versorgung, das aber auch in die Forschung durchschlägt, wo es immer noch Menschen gibt, die einen psychosomatischen Ansatz untersuchen wollen. Doch Studien haben gezeigt, dass dieser nicht wirkungsvoll ist, sondern Patient*innen aktiv schaden kann. Daher darf auch kein weiterer Euro in psychosomatische Ansätze fließen, sondern wir brauchen rein biomedizinische Forschung!
3. Kein Ausspielen von Grundlagen- und Therapieforschung
Nur weil die Ursachen nicht völlig verstanden sind, heißt das nicht, dass man sich zunächst auf Grundlagenforschung und erst später auf Therapieforschung fokussieren sollte. Beides muss Hand in Hand gehen – und es gibt genug Ansatzpunkte in der Forschung, um mögliche Therapien zu entwickeln.
Auch die Arzneimittelforschung muss vorangebracht werden, denn auch dort gibt es schon Wirkstoffkandidaten. Im Moment entscheiden – nicht nur bei ME/CFS – nur die Gewinnerwartungen der Pharmaindustrie, wo Medikamente entwickelt werden. Als Linke fordern wir schon lange einen Einstieg in die gemeinwohlorientierte Medikamentenenwicklung.
Diese Punkte wurden gestern auch von den Sachverständigen gestützt. Auch aus den Koalitionsfraktionen gibt es ein Eckpunktepapier zur Forschungsdekade, in der sinnvolles drinsteht. Aber: Auf Nachfrage hat mir die Bundesregierung nicht bestätigt, dass dieses Papier überhaupt Grundlage sein soll.
Die Beteiligung von Betroffenen findet bisher nicht statt und es gibt die Befürchtung, dass die Bundesregierung immer noch die Therapieforschung nicht ausreichend fördern will. Wir werden die Umsetzung der Forschungsdekade weiter kritisch begleiten und auf weitere Mittel drängen.
Hier gehts zum Stream des Fachgesprächs