Rechenzentrenkarte zeigt erschreckendes Ausmaß
Frag-den-Staat, Algorithmwatch, Leitmotiv und das Heiße-Luft-Kollektiv haben heute unter https://heisseluft.org/ eine Karte veröffentlicht, in der öffentlich zugängliche Informationen zu geplanten Rechenzentren in Deutschland zusammengetragen sind. Diese Karte soll nun weiter aktuell gehalten werden.
Sonja Lemke, MdB die Linke dazu:
„Die Karte ist ein erster Schritt hin zu einer ehrlichen Diskussion über Rechenzentren in Deutschland. Sie zeigt das erschreckende Ausmaß, welches der Rechenzentrenausbau in Deutschland angenommen hat. Mit 120 Projekten ist davon auszugehen, dass eine Anschlussleistung von 5000 MW geschaffen wird. Das liegt weit über dem Ziel der Rechenzentrumsstrategie die Anschlussleistung zu verdoppeln. Dabei gibt es nicht mal für die dort angestrebten Kapazitäten einen Plan, wofür diese Rechenkapazitäten überhaupt gebraucht werden!
Ich höre aus Kommunen immer wieder, dass Investoren lokale Entscheidungsträger*innen mit falschen Versprechungen von Arbeitsplätzen und Gewerbesteuer einwickeln und ihre Interessen in nichtöffentlichen Sitzungen durchdrücken. Realistische Angaben gerade zum Wasserverbrauch werden dabei verschleiert, um Widerstand zu verhindern – im Interesse von Kapital und Investoren. Meist werden die Rechenzentren auch auf unbebauten Gebieten geplant, also landwirtschaftlich genutzten Flächen oder sogar Wäldern. Damit geht eine gigantische Versiegelung von Flächen einher und eine unwiederbringliche Zerstörung der Umwelt vor Ort.
Die vielen Proteste vor Ort zeigen aber, dass der kopflose Ausbau von Rechenzentren, den auch die Bundesregierung propagiert, eben nicht im Interesse der Menschen vor Ort geschieht. Denn die Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung ist eine klimapolitische Katastrophe! Das zeigt sich an den vielen Projekten und dem enormen Strom- und Flächenverbrauch, der damit einhergeht.
Die Daten zeigen auch, dass das Versprechen von „digitaler Souveränität“ blanker Hohn ist. Etwa die Hälfte der Rechenzentren sind nicht europäische Anbieter, oft aus den USA. Diese unterliegen dem Cloud-Act. Die Rechenzentrenstrategie nimmt digitale Souveränität als Vorwand, es kann jedoch jeder Investor bauen was er will.
Was ich von der Bundesregierung im Rahmen einer Rechenzentrumsstrategie erwarte, ist eine realistische und transparente Planung des Rechenzentrumsausbaus, der berücksichtigt, wie viel Strom, Fläche und Wasser sie jeweils verbrauchen werden und erklärt wo diese Ressourcen herkommen sollen und welche Auswirkungen auf die lokalen Gemeinden zukommen.
Im Moment ist klar, dass angesichts der Klimakatastrophe dieses Ausmaß an Rechenzentrenprojekten nicht realisiert werden darf.“
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