Warum die Social Media Altersgrenze eine schlechte Idee ist
Social Media macht süchtig, schmeißt einen in Rabbit Holes, die nicht gut für einen sind, bombardiert einen so lange mit Zeug bis das Gehirn Matsche ist und man sich nicht konzentrieren kann.
Das alles ist richtig, nur ist es kein Problem, das nur Kinder und Jugendliche betrifft. Auch Erwachsene leiden darunter. Mit 18 ist man nicht auf plötzlich erwachsen genug, damit man mit sozialen Medien umgehen kann. Auch Erwachsene macht Social Media oft einsam und depressiv und sie fallen auf Fake News rein.
Statt einem Social-Media-Verbot braucht es sichere digitale Räume für uns alle!
Das heißt:
- echte Transparenz über die Algorithmen
- Verbot von süchtig machenden Patterns (und diese Verbote auch endlich durchsetzen)
- Content Moderation stärken! Gute Arbeitsbedingungen für Content Moderator*innen. Schnelle und transparente Meldeverfahren und echte Konsequenzen für die Plattformen bei mangelnder Bearbeitung
Kinder und Jugendliche werden einen Weg finden ins Netz zu gehen und sich dort auszutauschen. Digitale Räume sind wichtige Diskursräume und dienen der Vernetzung. Gerade für (queere) Jugendliche in ländlichen Gegenden ist das unglaublich wichtig.
Kinder und Jugendliche finden auch mit Social-Media-Verbot einen Weg ins Netz, so wie wir es auch gerade in Australien sehen. Doch wenn es verboten ist, sind sie damit auf sich allein gestellt und werden sich keine Hilfe suchen, wenn ihnen etwas begegnet, was sie nicht einordnen können.
Statt Verboten braucht es stärkende Jugendarbeit
Die Situation von Kindern und Jugendlichen ist scheiße: Gammelnde Schulen, fehlende Lehrer*innen, kaum Räume an denen man sich kostenlos treffen kann. Dazu Zukunftsängste durch Faschismus und Klimakatastrophe.
Anstatt das sie von der Politik Unterstützung bekommen, Jugendarbeit und Schule gestärkt wird, gibt es nun eine Diskussion darüber, die wenigen Räume, in denen sie sich austauschen können ihnen auch noch wegzunehmen.
Wir brauchen endlich eine Politik, die Kinder und Jugendliche stärkt. Wir brauchen verpflichtende und verbindliche Jugendgremien auf allen Ebenen. Wir müssen endlich Kinderarmut beenden und gut ausgestattete Schulen für alle schaffen!
Eine Altersgrenze für Social Media heißt Totalüberwachung des digitalen Raumes
Wie die Altersverifikation genau umgesetzt werden soll ist noch unklar. Es steht im Raum, dass es mit der EUDI-Wallet passieren soll. Dann hätte man die Möglichkeit, nur das Geburtsdatum zu teilen und den Rest anonym zu halten. Was aber passieren wird: Anbieter werden über das EUDI-Wallet alle Daten anfordern, die darin enthalten sind: Name, Adresse, Geschlecht, bis hin zu Dokumenten, die dort hinterlegt sein sollen wie dem Führerschein. Ähnlich wie bei den Cookiebannern wird es einem dann sehr leicht gemacht zuzustimmen und sehr schwer nur genau eine Info zu teilen. Nur kann man anders als bei Cookies, wenn man sich verklickt hat nicht einfach die Daten wieder löschen, sondern dann sind sie geteilt.
Viele Plattformen werden die Altersverifikation auslagern, weil sie technisch schwierig ist. Discord ist gerade schon in der Diskussion, weil sie das an Persona auslagern wollten, ein Unternehmen, das mit Peter Thiel zum MAGA-Überwachungs-Faschouniversum gehört. Altersverifiktion wird dazu genutzt werden sensible Daten über alle zusammeln. Diesmal nicht nur über Werbe-IDs, sondern mit Klarnamen und Adresse.
Dezentrale Netzwerke wie Mastodon wird die Umsetzung von Altersverifikation vor nicht lösbare Probleme stellen. Es droht, dass diese Angebote ganz wegfallen.
Statt eines Verbotes braucht es mehr Räume für Kinder und Jugendliche. Sie brauchen Unterstützung statt Kontrolle!
Wir müssen die Totalüberwachung des Netzes verhindern. Es gibt ein Recht auf Anonymität!