Kein Plan, kein Ziel: Rechenzentrumsstrategie befördert nur die Klimakatastrophe
Kein Plan, kein Ziel:
Rechenzentrumsstrategie befördert die Klimakatastrophe und Abhängigkeit von US-Hyperscalern
Die Fraktion die Linke hat die Bundesregierung mit einer Kleinen Anfrage dazu befragt, welche Informationen sie zum derzeitigen Planungsstand für Rechenzentren in Deutschland hat und wie sie deren Umwelt- und Klimaauswirkungen beurteilt. Die Antworten sind ernüchternd: Einen Überblick darüber, wo welche Rechenzentren gebaut werden, hat die Bundesregierung nicht. Sie verlässt sich auf Studien des Branchenverbandes Bitkom und angebliche zukünftige Monitorings. Dabei ist das einzige Ziel, was sie verfolgt, die Verdopplung bzw. Vervierfachung des möglichen Stromverbrauchs.
Sonja Lemke, Sprecherin für Digitale Verwaltung und Open Government, dazu:
„Die Antworten offenbaren blinden Größenwahn: Die Bundesregierung will die Rechenkapazität in Deutschland verdoppeln, weiß gar nicht genau, wofür, und hat nicht einmal einen Überblick, welche Projekte derzeit geplant sind.“
Digitale Souveränität erreicht man nicht mit US-Großkonzerne
Weiter bemängelt sie:
„Die Bundesregierung hat kein Ziel, was sie überhaupt mit der Verdopplung der Rechenkapazitäten erreichen will. Wenn es ihr um die vielbeschworene Digitale Souveränität gehen würde, dann würde sie gerade die Notbremse ziehen, denn die meisten Rechenzentren werden gerade von Hyperscalern wie Google, Amazon oder Microsoft gebaut oder von Co-Locationanbietern, die an diese vermieten. Digitale Souveränität würde bedeuten, dass man sich klar macht, wofür Rechenkapazitäten gebraucht werden und vor allem auch, wie diese z.B. durch weniger Nutzung von überflüssigen Cloud-Lösungen eingespart werden können.“
Klimakatastrophe wird ignoriert
Gerade im Bezug auf die Klima- und Umweltfolgen offenbart sich in der kleinen Anfrage die Verantwortungslosigkeit dieser Bundesregierung. Lediglich ein schwacher Verweis auf angebliche Effizienz. Kein Wort dazu, dass absolut eben erheblich mehr Strom verbraucht werden soll, die Bundesregierung nennt für 2030 10 TWh mehr pro Jahr, eine Steigerung um 50 %. Dessen Erzeugung verbraucht erhebliche Ressourcen und hat massive Umweltauswirkungen, denn meist werden für Rechenzentren zusätzliche fossile Kapazitäten eingeplant. Dazu kommt ein enormer Wasser- und Flächenverbrauch.
Sonja Lemke: „Fragen nach Umweltauswirkungen kann die Bundesregierung nicht einfach vom Tisch wischen. Dass sie den enormen Ressourcenverbrauch von Energie, Wasser und Flächen ignoriert, ist fatal, umso mehr in Zeiten, in denen wir in Europa eine tödliche Hitzewelle nach der anderen erleben und die Schifffahrt gedrosselt wird und Kraftwerke abgeschaltet werden, weil Flüsse nicht genug Wasser zum Kühlen führen.
Spätestens jetzt muss jedem klar sein, dass wir uns einen weiteren Ausbau von Rechenzentren nicht leisen können.“
Kennzahlen belohnen Hardware mit hohem Energieverbrauch
Auch die verwendeten Kennzahlen sind fragwürdig: Die Erreichung des Ziels der Rechenzentrumsstrategie misst die Bundesregierung allein in dem möglichem Stromverbrauch. Für Energieeffizienz gelten nur die PUE-Werte aus der letzten Legislatur, die beschreiben, wie hoch der Stromverbrauch der Hardware im Vergleich zum Stromverbrauch der Kühlleistung ist, also besser werden, je mehr Strom beim Rechnen verbraucht wird. Es gibt keine Regulierungen für die Effizienz der Hardware, den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung der Hardware und den Wasserverbrauch der Rechenzentren.
Sonja Lemke: „In Zeiten der Klimakatastrophe braucht es klare Vorgaben, wie viele Ressourcen verbraucht werden dürfen, das gilt auch Bestandsrechenzentren. Ein einfaches „weiter so“ und „mehr davon“ ist angesichts der spürbaren Folgen der Klimakatastrophe einfach verantwortungslos. Gerade der Wasserverbrauch von Rechenzentren muss jetzt endlich klar begrenzt werden! Solange es keine klaren Vorgaben gibt, wie viele Ressourcen verbraucht und wofür die Rechenkapazitäten gebraucht werden, dürfen keine weiteren Rechenzentren gebaut werden.“